Karate-Do

wörtlich aus dem Japanischen übersetzt mit: ‘Weg (Do) der leeren Hand wird als eine der bekanntesten Kampfkünste weltweit von einer großen Anzahl von Kindern, Jugendlichen u. Erwachsenen betrieben - von beiden Geschlechtern.
In nachfolgenden Gedanken soll wirklich nicht versucht werden, weitere Karateliteratur zu schaffen. Hier gibt es ausgezeichnete Darstellungen. Wir wollen eher die Gedanken und Ziele des Trainings innerhalb des Karateverein O-Nami e.V. darlegen. Wir sehen, dass in vielen Vereinen ähnliche Gedanken verfolgt werden.
Der Übende muss für sich entscheiden, ob er Karate-Do als erfüllende, sportlich anspruchsvolle Wegekunst (Do) betreiben möchte, wie unser Verein dies anbietet, oder ob er (oder sie) dem Leben eine weitere Konsumbeschäftigung hinzufügt.

Einleitung

Kurzzeitige Beschäftigungsmöglichkeiten, die sich selber immer wieder toppen müssen, um hipp zu sein, werden heute zahlreich geboten. Dabei werden Ideale geschaffen, denen die überlieferten Wertvorstellungen fehlen...
Schneller, höher, weiter - oder spektakulärer, wer diese sportlichen oder fernsehgerechten Ziele verfolgt, wird seine eigenen talent- u. altersbedingten Grenzen bald erleben. Und was dann? Immer wieder etwas Neues anfangen? Eine große Anzahl von Menschen verspürt (gerade deshalb?) den Zauber fernöstlicher Methoden, die sich von diesen kurzzeitigen Erscheinungen gänzlich unterscheiden. So gar nicht auf äußeres Beeindrucken ausgelegt, wird doch ein zutiefst befriedigender Weg gegangen. Wer einmal mit offenen Sinnen einem (wirklichen!) Meister (Sensei) einer Wegekunst bei seinen Übungen zuschauen konnte, dem braucht man nichts mehr zu erklären: Die Ruhe, Gelassenheit und Stärke zugleich Anmut und Würde ist unmittelbar zu spüren. Man merkt sofort, hier ist eine Quelle, die stark und hilfreich gegen die Erscheinungen von Hektik, Anspannung, Zeitnot des modernen Alltags wirkt. Für diejenigen, die das wahrnehmen: Das Üben kann und sollte nun beginnen. Ernsthaft Übende werden das Training nicht mehr missen wollen und so ‘auftanken’ in einer Umgebung, die voll positiver Energie (Ki) ist.
Ruhe kommt wenn die Unruhe geht!
Hans Kurtzweg

Die Stellung des Trainers (eigentlich: Lehrers)

Manche im Wettkampf sehr erfolgreiche Karateka geben Unterricht in Form von Lehrgängen, die von vielen Karateka gerne besucht werden. Bewegungen, die man gerne selber erlernen

Wir wollen nicht die Leistungen der Wettkampfsportler kritisieren. Sie verdienen Hochachtung. Wir wollen vielmehr einen Weg zum Karate-Do öffnen.

möchte, werden von diesen schließlich in nahezu perfekter Form vorgetragen - entsprechend ihren Wettkampferfolgen. Einige können begeistern, andere haben sicher nicht die Fähigkeiten, erfolgreiche Trainer zu sein. Hier wünscht man sich eher, dass der Trainer, der sie so erfolgreich gemacht hat, jetzt anwesend wäre. Warum?
Ein Karatelehrer muss mit seiner Hingabe und Begeisterung ‘ansteckend’ sein - wie ein hell leuchtender Stern - der seine Umgebung (die Übenden) ‘hell anstrahlt’ - eben begeistert - bis die Übenden selber in dem Licht zu ‘leuchten’ beginnen (So kann die Gruppe der Übenden natürlich nicht zu groß sein). Immer heller ‘leuchtet’ nun die Gemeinschaft und bringt so eine gemeinsame Begeisterung hervor, die in dem Dojo wie ein kleines hell leuchtendes Universum strahlt (diese Begeisterung nun wirkt natürlich auf Dojo-Besucher wiederum ‘ansteckend’). Dieses ist natürlich ein kontinuierlicher Vorgang, der anhält - auch wenn die anfänglichen sportlichen Werte wie ‘schneller, höher, weiter’ längst in den Hintergrund getreten sind. Vom Karatelehrer verlangt dieses Unterrichten allerdings eine beträchtliche Energieleistung, die nicht ewig hält. Andere aus dem Dojo werden also rechtzeitig an die Stelle des Karatelehrers treten und dessen Hingabe und Begeisterung übernehmen und weiter verbreiten. Ein alberner Vergleich?

Stellen Sie sich Karate-Do vor wie ein Hologramm. Das ist eine drei-dimensionale Abbildung aus vielen Bildpunkten, die von allen Seiten betrachtet werden kann, und bei der jeder aus verschiedenen Blickwinkeln ein anderes Bild des Ganzen sieht. Wenn Sie dieses Hologramm aufbauen, in dem Sie nach und nach die Bildpunkte erzeugen, werden Sie zunächst noch nichts, dann nach einiger Zeit aber darin eine Abbildung zunehmend klarer erkennen.

Jeder erreicht Fortschritte im Karate-Do. Ihre Grenzen existieren meist nur im Kopf. Werden diese überwunden, ‘wächst’ man über sich hinaus.

Mit der wachsenden Anzahl von Bildpunkten, die ständig an verschiedenen Orten der Abbildung erzeugt werden, wird diese Darstellung an Klarheit gewinnen. Anfänglich benötigt es noch Fantasie, eine Abbildung zu erkennen. Es wird mancher Irrtum entstehen. Letztlich entsteht aber die Abbildung ‘Karate-Do’ so aus zahlreichen Unterrichtsstunden in uns. Der Lehrer ist nur der Vermittler, der dem Übenden hilft, seine eigenen Erkenntnisse zu finden. Er muss dazu aber in der Lage sein, sozusagen an weit auseinander liegenden Stellen im Übenden diese Bildpunkte zu erzeugen. Das verlangt nach einem breit gefächerten Training, welches vielfältige Eigenschaften anspricht (siehe unten). Sie sehen nun: Das Verfolgen rein sportlicher Ziele wie schneller, höher, weiter oder fernsehgerechter Ziele wie rasant, spektakulär, virtuos oder auch nur einer Eigenschaft im Karate wie z.B. nur Selbstverteidigung oder nur Kata kann so kaum ein dauerhaft erfüllendes und begeisterndes Karate-Do erzeugen.

Wiedereinsteiger

Zahlreiche Menschen haben einmal mit Karateunterricht begonnen und wieder aufgehört aus verschiedenen Gründen. Leider haben diese Menschen - um im vorigen Vergleich zu bleiben - nur ein sehr unklares, vielleicht fehlerhaftes oder noch gar kein Bild vom Karate-Do dabei gewinnen können - sei der Lehrer auch noch so gut gewesen. Die Begeisterung kann nur noch einmal geweckt werden, wenn Sie sich offen noch einmal im Karate-Do üben wollen - dieses Mal vielleicht unter besseren Voraussetzungen als die, die seinerzeit zum Aufhören führten. Wir würden dieses Vorhaben sehr begrüßen und nach Kräften unterstützen.

Training für Kinder

Kinder ab etwa sechs Jahren (in Ausnahmen auch ab fünf) sind bereits in der Lage einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmtem Karateunterricht zu folgen. Das Interesse am Karateunterricht bei Kindern ist groß, denn Filme und Videospiele haben Karate bekannt gemacht. Die dort gezeigten akrobatischen Szenen sind fernsehgerecht spektakulär, und die Helden gewinnen immer. Leider wird dadurch auch Gewaltbereitschaft bei einigen Kindern und Jugendlichen verstärkt.

Die Übungsleiter des Karateverein O-Nami e.V. haben jahrelange Erfahrung im Karateunterricht für Kinder. Ihnen obliegt es, diese Begeisterung für Karate in echte Übungsfortschritte - sportlich und sozial im Sinne des Karate-Do - zu überführen.
Kinder machen schnell erstaunliche (Bewegungs-) Fortschritte. Daneben nehmen sie Umgangsformen, die ihnen vorgegeben werden, sehr leicht auf. Es ist damit der Grundstein gelegt für soziales Verhalten innerhalb einer Gruppe (wie Rücksicht und Hilfsbereitschaft) sowie Respekt anderen Menschen gegenüber. Karate-Do wird stets auf respektvollem Umgang untereinander und Höflichkeit bestehen.
Karate-Do im Karateverein O-Nami e.V. wird den Kindern neben der körperlichen Entwicklung und Gesundheit weiterhin auch zu verbesserter Merkfähigkeit, Koordination, Konzentrationsfähigkeit und Fähigkeit zur Stille verhelfen. Die regelmäßige Teilnahme sollten die Eltern allerdings sicherstellen - zweimal pro Woche wäre ideal. Übertriebene LEISTUNGEN werden nicht erwartet: Spiele, die dem Karate-Do förderlich sind, beginnen und beenden den jeweiligen Unterricht. Die Kinder sollen gerne wieder kommen.
Fortschritte im Karate-Do - äußerlich ablesbar an der dunkler werdenden Gürtelfarbe - erreichen Kinder naturgemäß langsamer als Erwachsene. Die Übungsleiter des Karateverein O-Nami e.V. führen die Kinder und die Erwachsenen an die jeweiligen Gürtelprüfungen heran. Zur rechten Zeit wird ihnen dann die nächste Gürtelprüfung empfohlen.

Training für Erwachsene

Erwachsene erhalten mehr als nur als die Möglichkeit sich sportlich zu betätigen. Die meisten motorischen Fähigkeiten können in vielen Sportarten ebenso wie im Karate-Do stark verbessert werden (Kraft, Schnelligkeit, Gelenkigkeit und Ausdauer).

Karate-Do bietet aber mehr: Die oben angesprochenen Gürtelprüfungen und Fähigkeiten wie Anmut und Würde, aber auch:

- GewandtheitEin Karateka
muss auch
ein Charakteka sein
- frei nach Kanasawa -
- Koordination
- Reaktionsfähigkeit
- Wachsamkeit
- Wahrnehmungsschärfe
- Einfühlungsvermögen
- Ausdrucksstärke
- Durchsetzungsfähigkeit (!)
- Authentizität
- Gelassenheit (!)

und mehr werden hingegen gerade im Karateunterricht erreicht und verbessert.
Das Training beginnt und endet jeweils mit einer kurzen gemeinsamen Meditation - eine Gelegenheit zum In-Sich-Gehen.
Der Spaß darf aber nicht zu kurz kommen - jeder soll gerne wieder kommen.

Karate als Gesundheitstraining

Leben ist Kampf, und daran hat die moderne Zivilisation nichts geändert. Der Mensch ist jedoch in der Gegenwart ganz anderen Anforderungen ausgesetzt als noch vor hundert Jahren. In seiner biologischen Konstruktion wurde er von der Natur geschaffen um Hunger, Angriffe wilder Tiere oder Naturkatastrophen abzuwehren. Doch den Problemen aus seiner selbstgeschaffenen Zivilisation ist er nicht mehr gewachsen.
Das Tempo und die Anforderungen des modernen Lebens bewirken Ängste, Stress, Übergewicht usw. Sie belasten den Organismus, und da er von der Natur nicht mit den nötigen Abwehrmöglichkeiten ausgestattet ist, wird der Mensch früher oder später krank. Die moderne Medizin kann ihm dabei nicht helfen, da sie nicht die Ursache, sondern den Schaden bekämpft. Der zivilisierte Mensch muss sich daher selbst helfen, um den Lebenskampf in der von ihm geschaffenen Welt zu überstehen. Die Methode, durch die er sich gegen die Angriffe des modernen Lebens wehren kann, findet er in den Kampfkünsten.
Zitat aus: Werner Lind, Klassisches Karate-Do, Budo Studien Kreis,
Entwurfsskript, vermutlich 1996.

Die Gegensätze und Vorurteile

Karate eilt der Ruf voraus, dass der Fortschritt der Übenden sich in der Anzahl der mit einem fürchterlichen Schlag zerteilten Dachziegel oder Bretter ablesen lässt. Das ist natürlich vollständiger Unsinn. Dazu braucht man kein Karate. Deswegen üben wir dergleichen auch nicht.
Ebenso wird vermutet, Karate wäre nur für ‘eisenharte’ Kerle geeignet - ebenso Unsinn, wie die übenden Mädchen und Frauen bestätigen werden.
Karate-Do ist auch nicht gefährlich, da wir ausgesprochenen Wert auf kontrollierte Bewegungen legen - auch wenn Fortgeschrittene manche Bewegungen schnell ausführen.
Karate-Do-Übende sind nette Leute. Gerade der Verzicht auf den filmreifen, ultimativen Schlag (den es ohnehin nur im Film gibt) hält diejenigen fern, die vielleicht danach suchen würden.
Jeder weiß, dass morgendliches Wechselduschen heiß und kalt den Körper und die Abwehrkräfte stärkt. Karate-Do wird ebenso in jeder Übung die Gegensätze suchen allerdings auf anderer Ebene - denken Sie an Yin und Yang. Wir üben z.B.:

- schnell und langsam
- stark und schwach
- hart und weich
- fließend und stoppend
- defensiv und offensiv
- beweglich und unbeweglich
- entgegen gerichtet und ausweichend
- geben und nehmen
- konzentriert und reflexartig
- Ernst und Freude
- Offenheit und Geschlossenheit
- Anspannung und Entspannung
- Aktivität und Ruhe.

Gerade der letzte Punkt ist dabei von besonderer Wichtigkeit, erleben wir doch viele Menschen, die ihre Aktivität dermaßen übertreiben, dass geradezu Hektik entstehen muss. Wie soll hierbei gute Arbeit oder befriedigende Beschäftigung ohne Fehler entstehen? Das können nur Maschinen leisten. Andererseits werden heute ausgesprochen ‘ruhige’ Kampfkünste angeboten. Die Faszination als Gegensatz zur Alltagshektik ist verständlich. Dennoch besteht die Gefahr, sich in dieser Ruhe zu 'verlieren' - sie geradezu zum Übungszweck an sich hervor zu heben. So erscheint der hektische Alltag dann oft nur noch erschreckender. Dieses Üben ist dann kaum eine Hilfe.
Ausgewogenheit, Gelassenheit und eine ruhige ‘Mitte’ (Hara) sowie die Fähigkeit aus dem Zustand größtmöglicher Entspanntheit (aktive Ruhe u. Gelassenheit) innerhalb kürzester Zeit geradezu explosive Bewegung zu erzeugen, ist eines der Ziele von Karate-Do. (siehe Koichi Tohei, Ki im täglichen Leben, Kristkeitz Verlag, S. 227 ff). So werden Karateka befähigt, einen angemessenen, mittleren Weg zwischen den Möglichkeiten zu wählen - letztlich ausgewogene Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeit überträgt sich dann positiv auch auf den (hektischen) Alltag - ein Nutzen, der kaum hoch genug geschätzt werden kann.

Dojoregeln

Die folgenden Punkte dürften den meisten Menschen selbstverständlich erscheinen. Würde u. Respekt sind fundamentale Aspekte des Karate-Do:
  • Pünktliches Erscheinen zum Unterricht ist selbstverständlich.
    Jeder Schüler, der zu spät kommt, begibt sich zum Lehrer (Sensei) und macht eine Verbeugung (Rei). Er beginnt dann selbständig mit Gymnastikübungen bis er genügend warm geworden ist. Dann wendet er sich an den Lehrer, der ihn in die Gruppe aufnimmt.
  • Jeder Schüler trägt einen sauberen, ordnungsgemäßen Karate-Gi.
    Wer zunächst nur herein schnuppert, braucht allerdings nicht gleich einen Gi zu erwerben. Normale Sportbekleidung reicht.
  • Während des Unterrichts wird nichts gegessen oder z.B. Kaugummi gekaut. Zuschauer dürfen nicht rauchen, laut sprechen oder sonst wie stören.
    Eine würdevolle Umgebung ist für die Entwicklung des Karate-Do unerlässlich. Da der Alltag draußen bleibt, sollten Handys ausgeschaltet sein.
  • Während des Unterrichts sollten Schmuck u. Uhren abgelegt werden - außer vielleicht Eheringe, die nicht mehr abgenommen werden können. Die Fuß- u. Fingernägel sollten kurz u. gepflegt sein.
  • Beim Verlassen des Dojos während des Unterrichts meldet man sich beim Lehrer ab.
  • Karateka sollten körperlich fit sein.
    Gibt es Erkrankungen, die beim Mitmachen hinderlich sind, ist Absprache mit dem Lehrer o. Vorstand notwendig.
  • Ranghöhere Schüler u. Lehrer haben Vorbildfunktion und müssen rangniedrigeren Schülern stets behilflich sein. Vorbildlicher Trainingseinsatz sowie ernsthafte Haltung zeigen erst, dass sie den Gürtelgrad zu Recht tragen.
  • Jeder Karateka wird dem Ansehen des Karate-Do durch das Verhalten in der Öffentlichkeit keinen Schaden zufügen. Höflichkeit, Respekt u. Vermeiden von Angebereien und Schlägereien sollten also praktiziert werden.
  • Bei jedem Eintreten u. Verlassen der Trainingshalle - für den Karateka das Dojo - ist eine respektvolle Verbeugung Rei vorzunehmen.

(siehe auch: Albrecht Pflüger, 9. Dan. www.karate-in-leonberg.de)

Selbstverteidigung u. Selbstbehauptung

Kampfkunstübende erwarten vielfach die Übung von Selbstverteidigung - zu Recht. Übungssituationen mit einem oder mehreren Angreifern nachzustellen, muss daher ausreichenden Raum in der Trainingszeit finden. Dabei gibt es aber weitere Aspekte bei der Beschäftigung mit Selbstverteidigung zu beachten. Weiter hinten mehr davon.
Sportkarate hingegen mit seinen diversen Bewegungseinschränkungen (die natürlich sinnvoll sind, um die Sporttreibenden zu schützen) kann diesen Anspruch nur unzureichend erfüllen. Zudem sind hier beide Kontrahenten in etwa gewichtsgleich, sind beide gedanklich u. körperlich kampfbereit und beide nähern sich frontal und immer nur einer gegen einen ohne Blendung durch die Sonne oder im Dunklen und auf ebenem Boden ohne Hindernisse - alles Situationen, die Opfer nicht vorfinden werden.
Von wirklichen Überfällen einmal abgesehen, bauen sich Schlägereien meist mit verbalen Schimpfattacken auf. Hier bereits wird durch Dominanzgebärden entschieden, wer eine Schlägerei gewinnen wird. Kommt es dann zu einer Tätlichkeit, ist dieses eigentlich nur noch eine Bestrafung, da die Auseinandersetzung bereits entschieden wurde. Intelligente Menschen gehen daher weg, BEVOR es zu Handgreiflichkeiten kommt oder erlernen körpersprachliche Signale darzustellen, die dem anderen signalisieren, dass hier kein Opfer steht.
Es gibt drei Arten des Kampfes:
  • kämpfen dann siegen (der sportliche Wettkampf mit Regeln. Schauen wir mal, wer besser ist)
  • siegen dann kämpfen (der ‘Kneipenschläger’ mit Dominanzgebärden. Nur Opfer werden verprügelt)
  • siegen ohne zu kämpfen (die eigene Körpersprache signalisiert ‘Achtung! Lass' es lieber sein')
Letzteres stellt natürlich die intelligenteste Art der Selbstverteidigung dar, da es nicht zu einer Tätlichkeit kommt.

Authentisch sein, 'hinter der Sache stehen'

Es geht also auch darum zu lernen, wie Karate-Do in noch nicht-tätlichen Auseinandersetzungssituationen helfen kann, das eigene Ziel zu erreichen (in der Selbstverteidigung: Die Vermeidung von Attacken) oder die Durchsetzung eigener Ziele z.B. im Warenhaus gegen den Willen des Verkäufers den Umtausch einer dort erworbenen Ware durchzusetzen. Jegliche ‘Schwäche’ in der Haltung, in der Stimme, im Blick - letztlich im authentischen Willen zum Ziel - wird das Gegenüber erkennen. Die Chancen auf Durchsetzung schwinden so dramatisch.
Karate-Do sollte also einen Weg zeigen, wirklich authentisch willensstark zu erscheinen (bitte aber nicht ständig in Kaufhäusern ausprobieren, wie weit man auf diesem Weg ist - sondern im Dojo üben).

Es versteht sich von selbst, dass dazu einige Zeit notwendig ist, und dass die Kumiteübungen (= Partnerübungen. Wörtlich: Handgemenge) mit der richtigen Einstellung geübt werden müssen. Niemand wird behaupten, dass Karate-Do aus ‘Lämmchen’ willensstarke Kämpfer macht. Dazu wäre - wenn es möglich ist - wesentlich mehr Einsatz nötig als durchschnittlich zweimal die Woche 90 Minuten Training. Dennoch betrachtet man es als Ziel, zunächst kleine Schritte in diese Richtung zu gehen und so die Chancen zu verbessern, ist zwei bis dreimal Training die Woche in traditionellem Karate-Do ein richtiger Weg. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können in unserem Verein zwei bis dreimal pro Woche trainieren (daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten).

Die 'Verpflichtung' - Geben und Nehmen

  • Jeder Karateka erhält Hilfe durch fortgeschrittenere Schüler und durch den Lehrer (Sensei), so wie diese einst Hilfe erhielten und nun weitergeben. Daher wird jeder Karateka auch irgendwann zunehmend anderen helfen. Das ist selbstverständlich. Ein ausschließliches ‘Nehmen’ ist dem Karate-Do fremd.
  • Durch regelmäßige Teilnahme am Unterricht und durch Trainingsfleiß im Unterricht stärkt der Karateübende die Gruppe und den Lehrer (und empfiehlt sich so für weitere Hilfe, die er dann selbstverständlich erhält, wenn es soweit ist).
  • Respekt zu anderen ist zu entwickeln.
    Manch ein Übungspartner mag einem mehr, andere weniger liegen. Vielleicht trainiert man ja lieber mit einem fortgeschrittenen Übungspartner. Bedenke aber: Besser ein ‘schlechter’ Übungspartner als gar keiner! Jeder verdient Vertrauen. Vielleicht muss man ja mal längere Zeit aussetzen und genau dieser ‘schlechte’ Übungspartner hat uns inzwischen überholt
  • Fortgeschrittene sollten immer wieder mit Einsteigern trainieren. Es ist ‘erfrischend’, den Geist des Anfängers zu erleben.

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Text von Hans Kurtzweg (5. Dan) mit Ausnahme der Zitate.
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Letzte Änderung: 29.10.2014 und 14.12.2016